Das Erscheinungsbild von Politiker*innen als politisches Phänomen

Projektleiter/innen Oliver Rittmann MZES-gefördert 2025 – 2028

Forschungsfrage/Ziel:

Dieses Projekt untersucht die Rolle des Aussehens von Politiker*innen als politisch umstrittenes und strategisch anpassbares Attribut. Das Projekt geht davon aus, dass Politiker*innen durch stilistische Entscheidungen über ihr äußeres Erscheinungsbild die Wahrnehmung ihrer sozialen, kulturellen und politischen Identität durch Wähler*innen beeinflussen können. Weiterhin wird argumentiert, dass Politiker*innen bei Entscheidungen über ihr äußerliches Erscheinungsbild als rationale Akteure handeln, die versuchen, positive Reaktionen zu maximieren und negative zu minimieren. Ihre Entscheidungen orientieren sich dabei an bestehenden Normen, welche als gruppenspezifische Erwartungen hinsichtlich der Zustimmung und Ablehnung von Äußerlichkeiten, wie etwa dem Tragen oder Nichttragen einer Krawatte im Parlament, definiert werden. Solche Normen ermöglichen Politiker*innen, Reaktionen des Publikums auf ihr Erscheinungsbild zu antizipieren. Politiker*innen legen jedoch Wert auf positive Reaktionen von verschiedenen Gruppen, die alle ihre eigenen, möglicherweise miteinander in Konflikt stehenden Normerwartungen haben können. Dies führt zu Spannungen, die schwer zu bewältigen sein können. Da etablierte Normen in der Politik auf überrepräsentierte Gruppen zugeschnitten sind, sind diese Spannungen für Mitglieder historisch unterrepräsentierter Gruppen besonders ausgeprägt. 

Zur Erforschung dieser Dynamiken wird in diesem Projekt das äußerliche Erscheinungsbild von Politiker*innen im Spannungsfeld bestehender Normen untersucht. Zu diesem Zweck werden neue und umfassende länderübergreifende Bilddaten zusammengestellt, die das Erscheinungsbild von Politiker*innen im Laufe der Zeit erfassen. Anschließend werden moderne Methoden des maschinellen Lernens eingesetzt, um auf der Grundlage dieser Bilder Erscheinungsbildnormen sowie Normabweichungen zu messen. Die daraus resultierenden Daten werden verwendet, um (1) die Entwicklung von Normerwartungen an das Erscheinungsbild von Politiker*innen nachzuvollziehen, (2) zu verstehen, wie Politiker*innen über- und unterrepräsentierter Gruppen die Spannungen zwischen den Normerwartungen verschiedener Gruppen bewältigen, und (3) die politischen Zusammenhänge verschiedener Erscheinungsbildstrategien zu untersuchen.