Regionen als Handlungseinheiten in der europäischen Politik (REGE)

Projektleiter/innen Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Beate Kohler-Koch Mitarbeiter/innen Dr. Jürgen R. Grote, Santo Umberti, Prof. Dr. Michèle Knodt, Dr. Fabrice Larat VW-Stiftung-gefördert 1992 – 1996

Forschungsfrage/Ziel:

In der politischen und wissenschaftlichen Diskussion in den neunziger Jahren über die Verfassungsentwicklung der EG wurde den Regionen eine wichtige Rolle zugeschrieben. Im Mittelpunkt des Forschungsprojektes stand die Frage nach den Zusammenhängen zwischen der Fortentwicklung der EG seit Mitte der 80er Jahre und der augenscheinlichen Aufwertung der "Regionen" in der europäischen Politik. "Regionen" wird dabei als Sammelbegriff für die unterhalb der Ebene der EG-Mitgliedstaaten angesiedelten staatlichen Organisationseinheiten wie die deutschen Bundesländer, die spanischen Comunidades Autónomas, die italienischen Regionen, die französischen Regionen etc. verwendet. Entgegen der landläufigen These, dass Ausmaß und Unterschiedlichkeit der regionalen Betroffenheit durch EG-Politik die regionale Handlungsbereitschaft stimuliert und deren Umsetzung wesentlich durch die jeweilige politische Verfassung kanalisiert wird, wurde in diesem Projekt die Hypothese entfaltet und empirisch geprüft, dass Regionene sich zu politischen Handlungseinheiten dann entwickeln können, wenn sie institutionelle Anknüpfungspunkte für eine verdichtete Kommunikation zwischen öffentlichen und privaten Interessen bieten und politische sowie administrative Handlungsressourcen zur Abwehr unerwünschter Integrationsfolgen bzw. zur Kapitalisierung von Integrationsgewinnen mobilisieren können. Angesichts der unterschiedlichen Ressourcenausstattung und unterschiedlichen Fähigkeit zur Ressourcenmobilisierung sowie des Beharrungsvermögens gewachsener Institutionen wäre daraus ein höchst ungleicher politischer Aufstieg von Regionen zu prognostizieren, der durch Veränderungen in der verfassungsrechtlichen Stellung weder kurzfristig korrigiert werden könnte noch funktionalen Zwängen entsprechend sich bruchlos umformen ließe. Es hat sich dabei gezeigt, dass die Mobilisierung dieser Kommunikation vor allem von den in der Region langjährig verfestigten Politikstilen abhängt und trotz der Überzeugung in die Attraktivität dieser public-private Partnerschip nicht überall umgesetzt werden konnte. Als ein weiteres zentrales Ergebnis des Projektes ist festzuhalten, dass die Regionen in ihrer Interessenrepräsentation auf ihre Fähigkeit zur strategischen Interaktion angewiesen sind. Diese Fähigkeit zur strategischen Interaktion bildet neben den Möglichkeiten zur Interessenrepräsentation durch verfassungsrechtlich verankerte Rechte der Regionen innerhalb der Nationalstaaten und eine starke bzw. schwache wirtschaftliche Stellung (die sich in finanziellen und administrativen Ressourcen widerspiegelt) eine der drei wichtigen Komponenten, die die Strategien der Regionen auf europäischer Ebene beeinflussen. Geht man von einer höchst ungleichen Ausstattung europäischer Regionen mit Kompetenzen, Ressourcen und vor allem der Fähigkeit zur strategischen Interaktion aus, so ist eine auf Dauer angelegte strukturelle Schwäche und damit Benachteiligung einiger Regionen in der angemessenen Interessenrepräsentation im interaktiven Mehrebenensystem auszumachen. Angesichts immer knapper werdender europäischer Ressourcen und zunehmender Konkurrenz der Regionen untereinander, wird dies in der Zukunft zu einer stärkeren Divergenz in der regionalen Entwicklung der Regionen führen. Eine Entwicklung, die der europäischen Zielvorstellung der Kohäsion der europäischen Regionen entgegen steht.


Publikationen

Monographie

  • Kohler-Koch, Beate, Thomas Conzelmann, Michèle Knodt (2004): Europäische Integration - Europäisches Regieren. 34, 348. Wiesbaden, VS, Verl. für Sozialwissenschaften. More
  • Kohler-Koch, Beate, Thomas Conzelmann, Michèle Knodt (2004): Europäische Integration – Europäisches Regieren (Chinesische Übersetzung) . 395. Beijing, Chinese Academy of the Social Sciences. More
  • Knodt, Michèle (1998): Tiefenwirkung europäischer Politik : Eigensinn oder Anpassung regionalen Regierens?. Baden-Baden, Nomos-Verl.-Ges.. More

Herausgeberschaften

  • Kohler-Koch, Beate (Eds.) (1998): Interaktive Politik in Europa. Regionen im Netzwerk der Integration. Opladen, Leske und Budrich. More

Buchkapitel

  • Chardon, Matthias, Ursula Göth, Martin Große Hüttmann, Christine Probst-Dobler (Eds.) Knodt, Michèle (2003): Vom "Europa der Regionen" zum "Europa mit den Regionen". Eine Reise durch die regionale Europaforschung. 161-176. Baden-Baden, Nomos. More
  • Conzelmann, Thomas (Eds.) Knodt, Michèle (2002): Regionales Europa - Europäisierte Regionen. Zwei Dekaden der Regionenforschung in der EU. 11-35. Frankfurt/New York, Campus Verlag. More
  • Conzelmann, Thomas (Eds.) Knodt, Michèle, Martin Große Hüttmann (2002): "Framing the Debate": Institutionen, Ideen und Interessen der deutschen Länder im europäisierten Bundesstaat. 140-164. Frankfurt/New York, Campus Verlag. More
  • Grote, Jürgen, Bernard Gbikpi (Eds.) Knodt, Michèle (2002): Regions in Multilevel Governance Arrangements: Leadership versus Partnership. 177-194. Opladen, Leske + Budrich. More
  • Eberwein, Wolf-Dieter, Karl Kaiser (Eds.) Knodt, Michèle (2001): External Representation of German Länder Interests. 173-188. Houndsmill, Palgrave. More
  • Knodt, Michèle (2000): 'Vier Motoren für Europa'- Symbolische Hochglanzpolitik oder erfolgversprechende regionale Strategie?. 405-416. Baden-Baden, Nomos Verlagsgesellschaft. More
  • Kohler-Koch, Beate (Eds.) Knodt, Michèle (2000): Europäisierung: Eine Strategie der Selbstbehauptung. 32-54. Frankfurt,M./New York, Campus. More
  • Kohler-Koch, Beate (Eds.) Knodt, Michèle (2000): Europäisierung à la Sinatra. Deutsche Länder im europäischen Mehrebenensystem. 237-264. Frankfurt,M./New York, Campus. More
  • Nitschke, Peter (Eds.) Kohler-Koch, Beate, Michèle Knodt (1999): Regionales Regieren in der EU: Befunde eines empirisch vergleichenden Projekts. 167-193. Opladen, Leske + Budrich. More
  • Négrier, Emmanuel, Bernard Jouve (Eds.) Larat, Fabrice, Michèle Knodt (1998): Styles de politique et échange politique territorialisé: l'exemple des régions francaises et allemandes. 247-271. Paris, L'Harmattan. More
  • Kohler-Koch, Beate (Eds.) Larat, Fabrice (1998): Prägende Erfahrung: Regionale Reaktionen auf europäische Politik. 153-181. Opladen, Leske + Budrich. More

Zeitschriftenartikel

  • Knodt, Michèle, Christine Quittkat (2004): Interessenvermittlung im europäischen Mehrebenensystem. Politische Bildung, 37, 2, 64-79. More
  • Knodt, Michèle (2002): Europäisierung regionalen Regierens: Mit Sinatra zum 'autonomieorientierten Systemwechsel' im deutschen Bundesstaat. Politische Vierteljahresschrift, 02, 2, 211-234. More
  • Knodt, Michèle (2001): Die Regionen in Europa. Regionalismus - Föderalismus - Supranantionalismus. Forum Politische Bildung, Informationen zur Politischen Bildung, 18, 66-76. More
  • Knodt, Michèle, Martin Große Hüttmann (2000): Die Europäisierung des deutschen Föderalismus. Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), B 52-53, 31-38. More
  • Knodt, Michèle, Beate Kohler-Koch (1997): Europa der Regionen: Interessen auf mehreren Ebenen vertreten. EU Magazin, 10, 34-36. More
  • Knodt, Michèle (1996): Regionale Politikstile in einem 'Europa der Regionen'. WeltTrends, 11, 83-105. More

Berichte

  • Knodt, Michèle, Nicola Staeck (1999): Shifting paradigms: Reflecting Germany’s European policy. 3. More

MZES Working Papers

  • Larat, Fabrice (1996): Mehrebenensystem und Regionalentwicklung in Frankreich: Tendenzen und Hypothesen. 19, Mannheim, MZES. More
  • Knodt, Michèle (1996): Der ´verhandelnde´ Staat auf regionaler Ebene - politikrelevanter Paradigmenwechsel oder Mogelpackung?. 18, Mannheim, MZES. More
  • Grote, Jürgen R., Michèle Knodt, Fabrice Larat (1996): Convergence et variation de styles régionaux de politique dans le cadre des politiques communautaires. 17, Mannheim, MZES. More

Thesis

  • Schmitt-Beck, Rüdiger (1999): Wähler unter Einfluss: Gesellschaftliche Informationsflüsse und Wählerverhalten in Deutschland, Großbritannien, Spanien und der USA. Mannheim, Universität Mannheim. More