Das äußere Erscheinungsbild und schulische Bewertungen: Lehrerurteile und Bildungsungleichheit

Projektleiter/innen Dr. Johanna Gereke, Prof. Dr. Reinhard Schunck MZES-gefördert 2025 – 2028

Forschungsfrage/Ziel:

Dieses Projekt untersucht, wie das äußere Erscheinungsbild von Schülerinnen und Schülern schulische Bewertungen, Lehrerurteile und Bildungsbiografien beeinflusst und dadurch zur (Re )Produktion langfristiger Bildungsungleichheiten beiträgt. Analysiert werden zentrale Merkmale wie Körpergewicht, Hautfarbe, sichtbare religiöse Marker (z. B. Verschleierung), ethnische Zugehörigkeit und wahrgenommene Attraktivität sowie deren Verschränkung mit Geschlecht, sozioökonomischem Hintergrund (z. B. Sprache, Kleidung) und ethnischen Stereotypen, einschließlich gemischter Herkunft über namensbasierte Hinweise.
Das Projekt verknüpft mikrosozial erhobene Lehrerurteile mit makrosozialen Mustern von Bildungsungleichheit. Ziel ist es, systematisch zu erklären, wie erscheinungsbezogene Zuschreibungen als dauerhafte Achsen sozialer Differenzierung wirken und kumulative Benachteiligungen im Bildungssystem verstärken.
Methodisch stützt sich das Projekt auf groß angelegte Panel- und Längsschnittdaten (NEPS, CILS4EU, TwinLife), internationale Schulleistungsstudien (PIRLS, TIMSS) sowie experimentelle Designs, um kausale Mechanismen empirisch zu identifizieren. Theoretisch integriert es Ansätze der sozialen und kulturellen Reproduktion, die Status-Charakteristika-Theorie, Diskriminierungstheorien und Theorien kontextueller Effekte. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zum Verständnis der Rolle des äußeren Erscheinungsbildes und seiner Verschränkung mit weiteren Dimensionen sozialer Differenzierung bei der Entstehung von Bildungsungleichheit und erweitert die etablierte europäische Forschung zu Klassen- und Ethnizitätsunterschieden um eine systematische Analyse erscheinungsbezogener Bewertungsprozesse.