Sichtbarmachung queerer Individuen: Parteibindung und politische Unterstützung unter sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten in Ost- und Westeuropa (VisibleQueers)

Projektleiter/innen Dr. Constantin Wurthmann ERC-gefördert 2025 – 2030

Forschungsfrage/Ziel:

Sexuelle und geschlechtliche Minderheiten, häufig unter dem Sammelbegriff LGBTQ* zusammengefasst, stellen inzwischen mindestens zehn Prozent westlicher Gesellschaften – mit steigender Repräsentation in jüngeren Alterskohorten. Dennoch ist der Einfluss sexueller und geschlechtlicher Identität auf politisches Verhalten bislang nur unzureichend erforscht. Einzelne Fallstudien zu den USA, Kanada sowie einigen westeuropäischen Staaten zeigen zwar, dass LGBTQ*-Mobilisierung parteipolitischen Wettbewerb beeinflussen kann. Es fehlt jedoch an systematischen, länderübergreifenden Vergleichsdaten in Europa – insbesondere unter Einbeziehung osteuropäischer Länder. Unser Wissen darüber, wie sexuelle und geschlechtliche Minderheiten eine eigenständige politische Identität entwickeln, stabile Parteibindungen ausbilden und politische Unterstützung gegenüber dem demokratischen System entwickeln, ist daher begrenzt und geografisch verzerrt.

Das Projekt untersucht daher folgende zentrale Forschungsfrage: Was erklärt die Entstehung sexueller und geschlechtlicher Identität, und welchen Einfluss hat diese Identität auf Parteibindung und politische Unterstützung in Ost- und Westeuropa?

VisibleQueers verbindet qualitative und quantitative Methoden auf hohem methodischem Niveau, darunter bevölkerungsrepräsentative Umfragen mit experimentellen Komponenten sowie Expert:inneninterviews. Es handelt sich um die erste systematische, vergleichende Studie in Europa, die das politische Verhalten einer zahlenmäßig bedeutsamen, bislang jedoch empirisch unterrepräsentierten Bevölkerungsgruppe umfassend analysiert. Das Projekt liefert empirische Evidenz für die eigenständige soziale Identität von LGBTQ*-Personen und untersucht deren Bedeutung für Parteienwettbewerb und Systemunterstützung in unterschiedlichen institutionellen und kulturellen Kontexten. Es trägt dazu bei, eine zentrale Forschungslücke zu schließen, und leistet zugleich einen gesellschaftlich relevanten Beitrag, indem es Perspektiven sichtbar macht, die bislang häufig quantitativ unsichtbar geblieben sind.