Karriereentwicklungen von Migranten in deutschen Betrieben

Projektleiter/innen Ph.D. Philipp Brandt, Prof. Ph.D. Henning Hillmann, Jeremy Jesse Kuhnle Mitarbeiter/innen Marcel Kappes DFG-gefördert 2019 – 2025

Forschungsfrage/Ziel:

Diese Studie untersuchte die Chancen und Risiken unkonventioneller beruflicher Wechsel innerhalb von Unternehmen in Deutschland und verglich dabei die Erfahrungen deutscher Beschäftigter mit denen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus anderen Ländern. Sie zeigt, dass anhaltende Ungleichheiten zwischen diesen Gruppen eng mit der unzureichenden Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse und Berufszertifikate sowie mit einer geringeren Vertrautheit von Migrantinnen und Migranten mit den deutschen Arbeitsmarktinstitutionen zusammenhängen.
Auf Grundlage eines neuartigen Messansatzes untersuchte das Forschungsprojekt, wie nicht-deutsche Beschäftigte besondere berufliche Erfahrungen erwerben und wie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber diese bewerten. Die empirische Basis bildeten umfangreiche Daten des Forschungsdatenzentrums der Bundesagentur für Arbeit am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Das Hauptdatenset umfasste Beschäftigungsinformationen von fast zwei Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus über elftausend Unternehmen in Deutschland.
Die Ergebnisse zeigen, dass Beschäftigte, die innerhalb eines Unternehmens besondere berufliche Erfahrungen sammeln, oft erst bei einem Wechsel zu neuen Arbeitgeberinnen oder Arbeitgebern davon profitieren können. Allerdings variiert die Anerkennung dieser Erfahrungen – sowohl in Bezug auf finanzielle als auch auf strukturelle Vorteile – und unterscheidet sich sowohl von der deutscher Beschäftigter als auch von der EU-ausländischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die größten Vorteile ergeben sich, wenn Berufserfahrungen sowohl formell nachweisbar als auch deutlich von typischen Karriereverläufen abweichend sind.
Darüber hinaus identifiziert die Studie eine neue Form der Arbeitsarbitrage: Anstatt dass Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden, beruht diese Variante auf der Nutzung besonderer Arbeitserfahrungen innerhalb desselben Arbeitsmarktes. Dies kann marginalisierten Gruppen neue Chancen eröffnen, ist jedoch häufig mit hohen Kosten verbunden – insbesondere mit der doppelten Herausforderung, gleichzeitig den Beruf und das Unternehmen zu wechseln.
Insgesamt verdeutlicht die Studie, dass berufliche Mobilität in Deutschland stark vom Zusammenspiel zwischen Unternehmen und Berufen abhängt. Formale Berufswechsel spielen eine wichtige Rolle, doch ebenso entscheidend ist, wie diese Veränderungen in größere Muster beruflicher Erfahrungen eingebettet sind. Für viele nicht-deutsche Beschäftigte bleibt die Anerkennung solcher besonderen Erfahrungen jedoch weiterhin begrenzt.