Autoritäre Integration oder demokratische Kooperation? Der Kaukasus im Spannungsfeld zwischen Brüssel und Moskau

Projektleiter/innen Prof. Dr. Egbert Jahn Mitarbeiter/innen Aser Babajew, Aytan Gahramanova MZES-gefördert 2002 – 2008

Forschungsfrage/Ziel:

Der Südkaukasus wird mehr und mehr ein Konfliktherd der internationalen Politik, bei dem Rußland, die USA, Iran, die Türkei und verschiedene internationale und europäische Organisationen involviert sind. Die auswärtigen Beziehungen der drei südkaukasischen Staaten änderten sich seit 1991 mehrmals entsprechend dem Wechsel der politischen Regime. Aber es gibt keine klare Abhängigkeit der Orientierung nach Rußland oder dem Westen gemäß dem politischen Regime. Das Forschungsprojekt analysiert den Prozeß der Kombination der Innen- und Außenpolitik in den drei südkaukasischen Staaten und der Politik der äußeren Akteure in verschiedenen Mustern.
Ergebnisse des Projekts: Das Projekt litt darunter, daß drei Wissenschaftler, die in den letzten Jahren zeitweise an dem Projekt mitarbeiteten, Mannheim verließen, weil sie attraktivere Stellen an anderen Institutionen erhielten. Dennoch wurden mehrere Aufsätze über die Verknüpfung von internationaler und Innenpolitik in der Region Südkaukasus veröffentlicht, die sich auf das politische System Aserbaidschans und die „eingefrorenen“ ethnonationalen Konflikte in Aserbaidschan/ Bergkarabach, Georgien/ Südossetien und Abchasien konzentrierten. Zu diesem Zweck wurden politische Stellungnahmen und Aktionen der Hauptakteure in der Region analysiert. Die Hauptergebnisse des Projekts sind: Der Demokratisierungsprozeß wird noch in allen drei südkaukasischen Staaten durch innenpolitische Traditionen, selektive Konfliktwahrnehmungsmuster, sozioökonomische Mängel, aber auch durch heftig umstrittene Versuche behindert, die international anerkannten Grenzen zu ändern oder wiederherzustellen. Rußland nutzte die „eingefrorenen Konflikte“ ohne ein Konzept der Konfliktbeilegung, um die Unterwerfung unter seine Kontrolle der Region zu sichern, aber es verlor kürzlich beträchtlich an Einfluß im Südkaukasus. Aber auch der Westen war bislang unfähig und unwillig, ein Konzept für die Lösung dieser Konflikte und für eine nachhaltige regionale Friedensordnung zu entwickeln. Der kürzliche Krieg in Georgien im August 2008 änderte die geopolitische Situation beträchtlich und schuf eine neue Front zwischen Rußland und dem Westen. In den Aufsätzen wurde ein Entwurf für potentielle Kompromisse zu diesen Gegenständen vorgelegt.


Publikationen

Herausgeberschaften

  • Jahn, Egbert, Sabine Fischer, Astrid Sahm (Eds.) (2005): Die Zukunft des Friedens, Band 2, Die Friedens- und Konfliktforschung aus der Perspektive der jüngeren Generationen. 560. Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften. More

Buchkapitel

  • Beer, Mathias (Eds.) Jahn, Egbert (2007): Staatlichkeit und Nationalbewusstsein. Die Russländische Föderation: russländischer Multinationalstaat oder russischer Nationalstaat?. 2, 159 - 195. Tübingen, Attempto. More
  • Fischer, Sabine, Astrid Sahm (Eds.) Jahn, Egbert (2005): Krieg und Frieden im Prisma der Generationen. 21-47. Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften. More

Zeitschriftenartikel

  • Jahn, Egbert (2008): Neue Fronten nach dem Krieg. Russland, der Westen und die Zukunft im Südkaukasus. Osteuropa, 58, 11, 5-18. More
  • Babajew, Aser (2006): Demokratie-Test nicht bestanden. Parlamentswahlen in Azerbajdzan 2005. Osteuropa, 56, 3, 33-45. More
  • Babajew, Aser (2006): Parlamentswahlen in Aserbaidschan 2005. Demokratie für das Volk, die politische Elite des Landes. KAS-Auslandsinformationen, 4, 79-112. More

Berichte

  • Jahn, Egbert (2006): Der zweite Demokratisierungsversuch in Serbien, Georgien und der Ukraine. More

MZES Working Papers

  • Gahramanova, Aytan (2007): Peace strategies in "frozen" ethno-territorial conflicts: integrating reconciliation into conflict management : the case of Nagorno-Karabakh. 103, Mannheim, MZES. More